Haben sich die Schweizer schön gerechnet?
"Der Schweizer Staat dürfte in den nächsten Jahren grösser werden. Bundesrat und Parlament wollen für die Armee und die AHV mehr Geld ausgeben – und dafür die Mehrwertsteuer erhöhen. So wird wohl bald ein grösserer Teil dessen, was jährlich in der Schweiz erwirtschaftet wird, durch die Kassen des Bundes fliessen. Und dadurch wird auch die sogenannte Staatsquote zunehmen. Sie ist definiert als der Anteil der Staatsausgaben gemessen am Bruttoinlandprodukt (BIP)."
"Die Schweiz ist stolz auf ihren schlanken Staat. Das bekannteste Mass scheint ihr recht zu geben: 2023 entsprachen die Staatsausgaben 33,4 Prozent der Wirtschaftsleistung.
Nach Irland war das der zweittiefste Wert Europas. Auch über die Zeit blieb diese Staatsquote bemerkenswert stabil.
Ein neues Policy Paper ... zeigt, dass hinter der tiefen Staatsquote mehr staatliche Dynamik steckt, als sie vermuten lässt. ...
Das BIP umfasst allerdings auch Abschreibungen, also den Wertverlust von Maschinen, Gebäuden und Software. Dieser Teil der Wirtschaftsleistung wird benötigt, um den bestehenden Kapitalstock zu erhalten, und steht daher weder dem Staat noch Privaten für zusätzliche Ausgaben zur Verfügung. Zieht man die Abschreibungen vom BIP ab, erhält man das Nettoinlandsprodukt (NIP). Der deutsche Finanzwissenschafter Prof. Dr. Alfons Weichenrieder hat jüngst gezeigt, wie stark die Wahl zwischen BIP und NIP das Bild verändern kann ...
Für die Schweiz macht dieser Wechsel des Massstabs einen besonders grossen Unterschied: Die Abschreibungen entsprechen hier 23,4 Prozent des BIP, dem zweithöchsten Wert im EU/EFTA-Vergleich. ...
Was hinter den ausgeglichenen [öffentlichen] Haushalten steckt
Neben der tiefen Staatsquote gelten auch die seit der Jahrtausendwende meist ausgeglichenen öffentlichen Haushalte als Beleg für die Schweizer Ausgabendisziplin. Doch die Entwicklung von Ausgaben und Einnahmen zeigt, wie dieser Ausgleich zustande kam.
Die Ausgabenquote blieb zwischen 1995 und 2024 mit 33,4 beziehungsweise 33,6 Prozent nahezu unverändert.
Die Einnahmenquote stieg im selben Zeitraum hingegen von 31,5 auf 34,2 Prozent. Der Haushaltsausgleich kam damit vor allem über höhere Einnahmen zustande. ..."
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