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"Wenn man an Reformation denkt, kommt den meisten Luther in den Kopf – ein paar besonders historisch Interessierte verbinden damit vielleicht noch Namen wie Calvin, Zwingli und Melanchton. Dabei war die Gruppe der Protagonisten, die die Stimmung des Wandels aufgriffen und mitprägten, deutlich bunter, vielfältiger und übrigens auch moderner und ungleich sympathischer als diese entweder konservativen (Luther) oder fundamentalistischen (Calvin) Herren.
Eine herausragende Persönlichkeit jener Zeit war der nordschwäbische Publizist Sebastian Franck (1499-1542). Der autoritätskritische Idealist war den weltlichen und geistlichen Autoritäten ein Dorn im Auge, wo auch immer er sich gerade aufhielt. Er fand kaum Unterstützung oder Sympathie für seine Ansichten, die heute fast durchgängig akzeptiert sind – in den verschiedenen Kirchen wie auch in der gesamten Gesellschaft.
So postulierte er etwa, dass selbstverständlich auch „Türken und Heiden“ ein rechtes und gottgefälliges Leben führen könnten – eine Vorstellung, die die wenigsten damals auch nur ihren Mit-Christen in einer anderen Konfession einräumen wollten.
Franck war tatsächlich ein Vorreiter der Aufklärung, weil er sich gegen das strukturell konservative Verständnis von Luther wandte, allein die Bibel sei eine Quelle der Offenbarung. Im Gegenteil: Für Franck spielte das „innere Wort“ des Menschen, also sein Gewissen und seine Vernunft, die wesentliche Rolle bei der immer besseren Erkenntnis des Glaubens.
Entsprechend wandte er sich auch vehement gegen jegliches Wahrheitsmonopol. Aus seiner Sicht war absolute Gewissensfreiheit unumgänglich, weil sie allein garantierte, dass keine Autorität den Fortschritt der Erkenntnis hemmen konnte und es zu einem echten Wettbewerb der Ideen kommt. Francks Welt- und Menschenbild war so anti-autoritär und pluralistisch, wie unsere Gesellschaft erst im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde." (Quelle)
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