Empfehlenswert!
"Autoritäre Weltanschauungen gehen meist von einem negativen Menschenbild aus. Thomas Hobbes‘ [Leviathan] absolutistische Staatsidee gründete in einem argen Misstrauen gegenüber dem Menschen in Freiheit. Laut Hobbes seien Menschen im anarchistischen „Naturzustand“ allesamt egoistisch und gewalttätig, sie „scheuen keine Gewalt, sich Frau, Kind und Vieh eines anderen zu unterwerfen […] das Geraubte zu verteidigen […] sich zu rächen für Belanglosigkeiten wie ein Wort, ein Lächeln, einen Widerspruch oder irgendein anderes Zeichen der Geringschätzung“. Darum müsse man sie durch einen starken Staat reglementieren, Vergehen streng bestrafen, und ihnen allgemein wenig Freiheit lassen. ...
Sigmund Freud stand in dieser Vertrauensfrage eindeutig auf Hobbes‘ Seite. War doch laut Freud der Mensch zu sehr Spielball unbewusster Triebe, die von unserem schwachen, rationalen Bewusstsein zu selten kontrolliert werden könnten. Dennoch entwickelte Freud in Die Zukunft einer Illusion (1927) eine hoffnungsvolle Utopie. Wenn die Menschen nur genügend (richtige) Bildung erfahren würden, könnten sie mit der Zeit die Kontrollkräfte ihres Bewusstseins stärken und so die eigenen Triebe bezwingen. Auf diesem Weg schien ihm eine zukünftige, freie Gesellschaft möglich, in der sich alle Menschen von sich aus entscheiden, wertvolle Mitglieder der Gesellschaft zu sein.
Denjenigen, die wie ich geneigt sind, dieser Utopie Glauben zu schenken, möchte ich ausdrücklich nicht Freuds darauffolgendes Werk Das Unbehagen in der Kultur (1929), empfehlen. Denn nur zwei Jahre nach der Zukunft einer Illusion lässt Freud hier all seine utopischen Hoffnungen fahren. Im Unbehagen revidiert er seine Anthropologie gründlich in Richtung Hobbes: Menschen seien kaum zu Rationalität und Gemeinschaftssinn fähig, insgeheim wollten sie nicht einmal Freiheit für sich selbst, sondern würden sich lieber einer „Vaterfigur“, einem starken Mann unterwerfen. ..."
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